Transkription einer nicht autorisierten Sendung
Ursprung der Übertragung: [DATEN BESCHÄDIGT]
Zeit seit dem Abfangen: 43 Stunden
Transkription der Übertragungsdateien, aufgezeichnet am: [Daten beschädigt]
Abgefangen von Raumschiff, registriert von: [netter Versuch, Kumpel]
Registrierte Seriennummer: [Daten beschä-geht dich nichts an-digt]
Transkription folgt:
NORA: "Nichts in den Übertragungen außer Profitpropaganda und Grineer Handelsrezepte für Drahkzecken-Eintopf’?
Scheiß drauf. Manchmal muss ein Mädchen alles auf den Kopf stellen. Ich öffne meinen Kanal für Anrufe aus einem sehr begrenzten Raum. Sprecht mit mir. Lasst mich hören, was euch durch den Kopf geht. Und vergesst es, mich 'aufspüren' zu wollen. Ich werde weg sein, bevor ihr den Gedanken zu Ende gedacht habt. Nora ist alles, aber nicht statisch. Okay, die Leitungen sind offen. Lasst mich das nicht bereuen.
Der erste Anrufer ist ... oh. Das ist nicht richtig."
Anrufer: "Hallo? Ja ... Ähm, funktioniert das Ding?"
NORA: "Könnte dich das Gleiche fragen. Ruft ihr alle von Deimos aus an? Nicht gerade der schönste Mond am Himmel, das steht fest. Ich wusste nicht, dass irgendjemand dumm genug ist, dort hinzuziehen. Jedenfalls niemand mit einem Gesicht."
Anrufer: "Ah, gut! Und ja. Naja, nein ... Um ehrlich zu sein, ich bin nicht von hier. Tatsächlich sollte ich, wie du es ausdrückst, auf einem schönen, sicheren Corpus Stanchion "beheimatet" sein und nicht bis zu den Knien hier unten im Dreck einer pfeifenden Körperöff...."
NORA: "Corpus? Du bist Corpus? Verdammt, ich wusste, dass das ein Fehler war. Nora Ende."
Anrufer: "Nein, warte, warte! Ich bin ... Mein Name ist Latrox. Latrox Une."
NORA: "Okay. Du hast eine Minute. Du klingst verängstigt, Latrox Une. Irgendwie ein Zungenbrecher, dieser Name. Wie nennen dich deine Freunde?"
Anrufer: "Freunde? Nein, ich habe nicht wirklich ... ich meine, ich hatte mal einen Laborpartner. Haben drei aufeinanderfolgende Rotationen zusammen gemacht. Kommt nicht oft vor. Sie, ähm, fing an, mich "Roxy" zu nennen. Zählt das?"
NORA: "Jeder ist jemand für jemanden, Roxy. Sogar Profiteure. Obwohl, heutzutage verschwimmen selbst diese Grenzen. Narmer haben die Namen und Gesichter von Leuten angenommen - sie matt geschrubbt wie Messing. Grineer haben mit Solaris Brot geteilt. Corpus Einsiedler reden mit seltsamen Frauen wie mir. Die Zeiten ändern sich."
Anrufer: "Darüber weiß ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel. Ich komme nicht viel raus. Ich kann nicht viel raus. Eigentlich gar nicht. Ich habe einen eher langfristigen Vertrag. Es ist furchtbar ... langweilig, um ganz ehrlich zu sein. Außer, wenn etwas versucht, mich zu fressen. Oder versucht, mich zu assimilieren. Oder beides."
NORA: "Oh, ich bin sicher, du kannst einige Geschichten erzählen. Zum Beispiel, wie man auf der falschen Seite des wütendsten Ameisenhaufens im System überlebt."
Anrufer: "Ähem! Ähm, ja, und nein. Ich meine, ich fürchte, darüber kann ich wirklich nicht reden. Geheimhaltungsvereinbarungen mit derzeitigem ... Arbeitgeber ... und so weiter."
NORA: "Gib einem Mädchen etwas Interessantes, Roxy, sonst glaubt sie womöglich, dass du sie aus ruchlosen Gründen am Telefon hältst. Warum rufst du an, wenn es nicht darum geht, eine Position für meinen Aufenthaltsort zu bekommen?"
Anrufer: "[seufzt] Ja, ja natürlich. Ein fairer Austausch. Deine Zeit ist wertvoll und ich muss etwas bereitstellen von gleichem..."
NORA: "Roxy ..."
Anrufer: "Deimos. Eigentlich langweilig, richtig? Ich sammle Proben - Proben von Befallenen, meine ich – für Tests. Man sieht Deimos nicht als ein Ökosystem, aber das ist es. Die Homöostase der Befallenen Organelegie ist brutal, aber überraschend fragil. Ich gehe rein, schneide ein paar Zysten heraus, überprüfe, ob nichts das große, schreckliche Gleichgewicht ernsthaft gestört hat, verbrenne verbleibendes Gewebe, bevor es die motorische Funktion wiedererlangt, halte nach all dem Geschrei den Atem an und sehe zu, dass ich rauskomme. Einfach.
Bist ... bist du noch da?"
NORA: "Sprich weiter."
Anrufer: "Das ist normalerweise ist der schlimmste Teil. Ich habe gelernt, damit zu leben. Ich kann die Schrecken, die ich sehe, verarbeiten. Das Geschrei hilft einem natürlich. Es ist befreiend.
Es sind die Aufnahmen, verstehst du. Von Deimos. Die Auswüchse und Pusteln und Hämatome. Der abscheuliche, feuchte Landgesang dieses Ortes.
Er hat sich verändert."
NORA: "Verändert'.”
Anrufer: "Es tut mir leid, meine Liebe, du sprichst wahrscheinlich mit einem alten Mann, der viel zu lange allein war, aber ..."
NORA: "Wir sind hier, Roxy. Alles in Ordnung. Erzähl weiter.
... Roxy?"
Anrufer: “J-Ja! Tut mir leid ... ich habe nur nachgedacht und mich gefragt, ob ich dir das überhaupt erzählen sollte. Was ist, wenn alles nur ein Trick der Befallenen ist? Aber wenn nicht, muss jemand darüber Bescheid wissen. Du kannst die Geschichte rausbringen. Nur für den Fall.”
NORA: “Roxy ... für den Fall von was?”
Anruferr: “Für den Fall, dass was auch immer - wer auch immer - vor dem die Befallenen so große, große Angst zu haben scheinen, hier nicht aufhört.”
NORA: “Moment. Der Befall hat Angst? Das hat er dir gesagt?”
Anrufer: “Nein, nein, nein. Nun ja, nicht in Worten. Das wäre verrückt. Nein, es ist die Exocrine.”
NORA: “Genau. Die Exo...”
Anrufer: “Exocrine, ja. Es hat sich ... verstohlen verhalten. Und die Kapillaren pumpen das Blut immer schneller. Die Hypholombläschen sollten zu dieser Jahreszeit blühen, aber sie sind stumpf. Farblos. Ich glaube ... Ich glaube, sie versuchen, nicht herauszustechen. Versuchen, nicht aufzufallen.”
NORA: "Und das ist ... nicht gut."
Anrufer: “Ich höre mich verrückt an.”
NORA: “Oder du weißt einfach mehr über eine hässliche Milzwelt als ich.”
Anrufer: “Ha. Nun. Ja. Lässt sich wohl nicht leugnen. (seufzt) Schätze, es ist einfach schön, einmal jemanden zu haben, der mir zuhört. Es ... ist wahrscheinlich nichts, oder?”
NORA: “Vielleicht braucht der Planet seine jährliche Ganzkörperuntersuchung. Geh vor dir Tür! Geh laufen! Iss weniger Kohlenhydrate! Ich weiß nicht.”
Anrufer: “Hahaha ... ja, sowas in der Art. Nun ... danke. Dafür, dass du einen alten Mann zum Lachen gebracht hast. Wie zu erwarten ist, kommen einem komischen Gedanken in den Kopf, so alleine hier. Mit all der Peristaltik, der Eruktation und so weiter.”
NORA: “Alles gut, Roxy. Pass auf dich auf.”
Anrufer: “Es ist das Klopfen, das mir richtig auf die Nerven geht.”
NORA: “Das was?”
Anrufer: “Ein unaufhörliches Klopfen! Es ist unablässig! Wie dem auch sei, du hast zweifellos weitere interessante Anrufer in der ...”
NORA: “Was für eine Art von Klopfen, Roxy?”
Anrufer: “Nun ja ... die Art, die einen hindert, auch nur eine Nacht richtig zu schlafen. Könnte erklären, warum ich, jetzt, wo ich darüber nachdenke, in einer Übertragung mit einer Frau herumfantasiere, die ich noch nie getroffen habe...”
NORA: “Meinst du damit, dass du es in deinen Träumen hörst?”
Anrufer: “Ich ... vielleicht hab ich das geträumt, aber was ist das-”
NORA: “Wie hört es sich an?”
Anrufer: “Was?”
NORA: “Das Klopfen, Latrox. Wie klingt es?”
Anrufer: “Wie ein ... Klopfen. Alte Rohre. Rhizal-Maulwürfe, die überall herumtollen. Diese Art von Geräusch.”
NORA: “Wie klingt der Rhythmus? Hat es irgendwie einen Rhythmus?”
Anrufer: “Ähm, Rhythmus? Nein, es- Nun, ich glaube, es klang irgendwie wie ... Eins-zwei-drei. Eins-zwei-drei. Wie die Orokin Walzer, die mein alter Quartiermeister immer gespielt hat. Habe ich ... was Falsches gesagt?”
NORA: “Schick mir diese Daten, Roxy. Alles.”
[Übertragung endet]